Vielerlei Grund-bedürfnisse


Das Zimmer in Solarie hatte ich doch tatsächlich zwei Nächte für mich allein! Im Zimmer nebenan waren drei junge Mädels, die mit riesigen Rucksäcken unterwegs waren. Ich meine, sie sagten was von 20 Kilo. Nach einer Nacht zogen sie weiter, weil sie mal was schaffen wollten. Sie kürzen aber öfter mal per Bus oder Anhalter ab, um es nicht zu übertreiben. Schlau eigentlich. Der Trail als roter Faden! Wir kamen ins Quatschen. Alles ganz schön teuer, alles nicht so einfach mit den Unterkünften. Aber dann sagte eine der dreien, was ich die ganze Zeit nicht in Worte fassen konnte: Ich dachte, der Trail hätte mehr Orte, wo man einfach nur sein kann… 

Schaukel am Waldrand neben der Straße – place to be?

Ha! Wie hat sie das gemacht? In meinen Kopf geguckt, bisschen sortiert und direkt die lockere Schraube identifiziert. Für mich passiert das Sein so halbwegs nur beim Gehen, solange ich mich nicht zu krass konzentrieren muss. Aber Orte in der Natur, nur zum Sein, wo man einfach mal vor sich hin existieren kann, fehlen hier definitiv. In Amerika gab es Shelter, da konnte ich gut sein und hatte auch viel Zeit für mich – und zwar mitten in der Natur. Hier müsste ich ins Gebüsch krabbeln oder lange nach einem guten Platz suchen. Einzelzimmer sind bisher für mich ein ganz gangbarer Ersatz, wenn auch eher ’synthetischer‘ Art. Hier ist alles mehr darauf ausgelegt von Ort zu Ort zu kommen. Sogar gute Pausenplätze drängen sich hier nicht ununterbrochen auf. Es sei denn, eine Bank steht direkt neben einem Bach ; ) was auch eher Glück ist. Vielleicht wird es ja auf den nächsten Etappen wieder besser. Ich vermisse auch grad son bisschen die Einkehrmöglichkeiten, die sich hier am Anfang oft boten… Ich musste mir heute morgen sogar ein Brötchen zum Mitnehmen schmieren! Zustände sind das… ts, tss…

Eben war ich dann mal schön edel essen, schön ‚mehrgängig‘ – in meinem Sportzeug, aber frisch geduscht (!) – kein Problem. Ich hatte mein kleines Bier noch nicht mal halb ausgetrunken, da war ich schon halb voll. Und das, bevor das Essen kam. Mehr als ein Hauptgericht und einen Nachtisch habe ich aber wieder nicht geschafft. 

Gestern saß am Nebentisch eine Familie, die das Essen genau so absolvierte, wie es sich normalerweise wohl gehörte. Man isst nicht eines der angebotenen Gerichte, sondern alle, in der Reihenfolge, wie sie aufgeführt werden. Ich bekam ganz große Augen, als das ca. 12-jährige Mädchen, das mir schräg gegenüber saß, zuerst die Portion Pasta in gefühlt drei großen Gabeln voll verschlang und mich währenddessen amüsiert und mit dicken Backen angrinste, um danach noch das ‚mit Fleisch‘-Gericht zu inhalieren. Naja, sie ist ja noch im Wachstum. 😀 Nachtisch gab’s natürlich auch, da war ich dann auch wieder dabei. Aber trotz der ganzen Bewegung schaffe ich noch keine zwei Mahlzeiten auf einmal. 

Viel schönes dabei heute

Seit heute Mittag ziehe ich ein Bein nach… Als ich hier vorhin im Hotel Roma in Cividale angehumpelt kam, habe ich zu meiner großen Freude Martha wieder getroffen, die gerade zum Essen ging. Sie inspirierte mich direkt, noch eine Nacht zu verlängern. Ihr tun seit heute plötzlich die Knie weh. Bei mir ist es das Schienbein. Die gestrige Spazierrunde und der Asphalt von gestern und heute waren wohl kontraproduktiv. Oder der Umweg an der Maschinengewehr-Stellung vorbei. Vielleicht wurde ich angeschossen…?

Ich habe ja Zeit. Das muss ich mir ab und zu mal vergegenwärtigen. Ich bin jetzt schon über 520 Kilometer gelaufen! Bleiben nur noch 180… Und ich habe heute schon wieder das Meer gesehen!


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