Wandern entwickelt Hirnareale


…die sonst scheinbar nie richtig durchblutet werden. Wenn ich in Bewegung bin, habe ich die besten Ideen. Ich bin ja zum Beispiel ein großer Fan von Homöopathie. Bei mir funktionieren die kleinen Kügelchen.

Und da hatte ich mich doch gewundert, warum so viele Menschen so eine enorme Duftwolke hinter sich herziehen… Ich meine, wer geht bitteschön parfümiert in den Wald?! Und welches Waschmittel riecht meilenweit gegen den Wind?! Viele riechen auch irgendwie nach Bonschewasser. Ich glaube aber nicht, dass die in Redbull oder Fanta baden (obwohl…noch so eine gute Idee! – Ihr merkt schon, es läuft bei mir…). Jedenfalls komme ich immer noch nicht so richtig über meine Deolosigkeit hinweg (insbesondere dann, wenn ich die Arme hebe) und suche noch nach einer leichten Lösung… da fiel es mir doch gestern wie Schuppen von den Augen: Wäscheparfum! Diese kleinen bunten Kügelchen! Einfach morgens, mittags, abends je fünf Stück unter der Zunge zergehen lassen. Gleiches mit Gleichem behandeln, heißt es doch! Gestank mit Gestank. Ich bin so schlau!

Ansonsten nutze ich meine überbordende Intelligenz, um mich ans italienische zu gewöhnen. Ich muss mich immer grob zusammen reißen, nicht meine mühselig erlernten spanischen drei Worte zu verwenden und brauche immer ewig, um danke zu sagen, weil ich jedesmal drüber nachdenken muss. Aber es ist viel besser, als slowenisch und inzwischen bin ich schon ganz heimatlich gestimmt, wenn ich mal Österreicher reden höre.

Ob dieser Leistungen habe ich mir dann heute auch mal einen Relaxtag eingeräumt und bleibe noch eine Nacht. Auf diese Weise konnte ich mir heute Vormittag das sehr coole Freiluftmuseum in Ruhe anschauen, dass ich gestern stumpf umschifft habe.

Hier an der Grenze gibt es noch alte Wehranlagen aus dem ‚großen Krieg‘. Ich bin da einfach mal in irgendwelche Tunnel reingestiefelt und kam dann auf der Bergrückseite wieder raus! Ich kann mich gar nicht erinnern, seit wann ich so mutig bin. ; )

UND die Sicht von dem Berg aus war auch noch so gut, dass man mit bloßem Auge schon das Meer sehen konnte! Und sogar einen Leuchtturm! Durch das Fernglas und die Kamera meines Handys leider nicht ganz so deutlich…

Die Anlage ist total toll gepflegt, informativ wenn man will, und es gibt keine ersichtlichen Pissecken, aber viele Wege. Ich bin dann direkt auf dem ‚walk of peace‘ gewandelt und habe mir später noch eine etwa 8 Kilometer lange Vorschau auf den Rest der aktuellen Etappe gegönnt. Das wird der Teil sein, den ich morgen so gut wie möglich abkürzen werde. Der Ort, den ich nämlich im Auge hatte (Castelmonte), scheint ausgebucht (weil nur zwei Hotels und Wochenende) und so laufe ich bis zum Ende der 28. Etappe nach Cividale del Friul.

Dafür treffe ich dort vielleicht Martha wieder, die auch den ganzen Trail läuft! Wir hatten scheinbar bisher ungefähr das gleiche Tempo und sind uns trotzdem nie begegnet. Aber wir haben schon ein paarmal die gleichen Leute getroffen. Halt nur nicht zur gleichen Zeit. Sie kam heute am frühen Nachmittag rein, um einen Kaffee zu trinken und setzte sich an meinen Tisch. Es regnete mal wieder Katzen und Hunde und ich war happy mit meinem Lazy day. Beinahe hätten wir uns nicht unterhalten! Aber weil sie ein bisschen so aussah, fragte ich sie ob sie auch auf dem Alpe-Adria-Trail unterwegs ist. Selbstverständlich siezte ich sie! Das habe ich hier ja gleich als erstes gelernt 😂 und ihre erste Frage war, ob wir uns nicht lieber duzen wollen. Sie hat eine Unterkunft im nächsten Ort und musste daher nochmal raus in den Regen. Brrr.

Essenstechnisch werde ich hier übrigens außerordentlich gut versorgt. Die Gastgeberin spricht zwar Deutsch, aber immer wenn sie mir erzählt, was es zu essen gibt, fehlen ihr die Vokabeln. Es ist so lustig! Unsere Gespräche enden meistens mit „probieren?“ – „probieren!“ und dann lasse ich mich überraschen. So kam ich zu meinem äußerst deliziösen Kraken-Salat, den ich mir sonst niemals bestellt hätte.

Heute mittag gab es ‚mit Fleisch‘, ‚ohne Fleisch‘ (die Pasta Solarie wie gestern), oder etwas, dass sie sich der Gestik nach zu urteilen aus den Rippen schneiden musste. 😉 Bei ‚Pilze?‘ hatte sie mich überzeugt. ‚Probieren!‘

‚mit Fleisch‘ mit Pilzen und Polenta

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