Süßer die Glocken nie klingen…


So. Nun mal paar Fakten.

Ich hatte sozusagen Trail-Weihnachten. Heute ist mit der 26. Etappe (und der Hälfte der 27.) sozusagen der 2. Weihnachtstag 😁 Ich hatte leider tagelang dementsprechende Ohrwürmer, wunderbar untermalt von diversestem Glockengebimmel von Kühen, Ziegen und Eseln!

Ich habe jetzt etwa 487 Kilometer hinter mir und vor ungefähr zwei Stunden mit letzter Kraft die italienische Grenze überschritten. Es ist schon wieder monster warm und monster voll. Nur hier geht’s gerade. Ich hatte das große Pech oder Glück, gestern in Drežnica keine Unterkunft mehr zu finden. Der Typ im Restaurant meinte einfach, dann müsste ich eben kurz den Berg noch rauflaufen. Das wären nur so zwei, zweieinhalb Stunden… Er rief sogar für mich noch auf der Hütte an und es gab wohl noch Betten. Ich war schwerst überrascht, zu was mein Körper in der Lage ist! Nach einem späten Mittag – ich bin nicht sicher, aber ich glaube, ich habe zum ersten Mal Ziege gegessen – bin ich also den Berg noch raufgestratzt zur Koca Hütte / Kuhinja (erste Hälfte der 26. Etappe). Moderate Steigung, bullewarm aber machbar. Wie immer war es die perfekte Zeit, in Ruhe zu duschen, nämlich spät nachmittags. Da hat mich noch nie jemand gedrängelt!

Eigentlich hieß es erst, es wäre kein Bett mehr frei, aber letztlich waren wir zu acht auf lauschigen 8 Quadratmetern und neben mir war sogar noch ein Platz frei! Irgendjemand hatte dann wohl heute Nacht das Fenster geschlossen… als ich vom pinkeln wieder kam, musste ich zum Bett schwimmen, so dicke Luft war da! Aber ich bin nicht erstickt und habe erstaunlich gut geschlafen! Beim Bezahlen stellte sich dann noch heraus, dass ich als Alpenvereins-Mitglied Discount bekomme. Ich glaube, das ist die zweite oder dritte Hütte dieser Art. Die sind hier wirklich dünn gesät.

Und heute Nacht versuche ich was knallverrücktes und schlafe vielleicht mal mit Ohropax… Es ist heute ein Zimmer mit vier Etagenbetten, aber mein Eindruck ist, dass die nicht voll sein werden. Mal schauen!

Italien! Das ging jetzt aber schnell…

Ich bin hier im Rifugio Solarie schon sehr warm und herzlich empfangen worden. Die Gastgeberin ist super fürsorglich. Als ich hier total erschossen ankam, zeigte sie mir erstmal die Dusche und die Betten und nun sitze ich bei Strudel auf der Terrasse und trinke die zweite große Schorle… und hatte ich die Pasta Solarie erwähnt? Ich glaube, heute Nacht werde ich gut schlafen 😴

Architektonisch bin ich ja eigentlich nicht so interessiert…aber gestern habe ich eine ausgesprochen hübsche kleine Kapelle entdeckt. Voll gut! Zum Glück lag sie direkt am Trail, ich glaube nämlich nicht, dass ich einen extra Umweg gelaufen wäre…

Dann habe ich es doch tatsächlich fertig gebracht, auf einer Bank Pause zu machen, ohne den Tunnel nebendran zu bemerken. Irgendwann hörte ich so ein Plätschern und als ich weiter gehen wollte, entdeckte ich den kleinen Bachlauf, der aus einem Tunnel kam. Hm. Ich war irgendwie mehr mit dem Rascheln und den kleinen Echsen beschäftigt, die dort herum wuselten. Also verlängerte ich die Pause einfach noch ein bisschen und ging die Füße baden. 😉

Naja, wenn es mir langweilig gewesen wäre, hätte ich auch immer noch nach Narni(j)a abbiegen können, aber mein Limit an verarbeitbaren Eindrücken schöpfe ich auch so schon häufig voll aus!

…übrigens auch der Beweis, dass ich nicht gemütlich in der Karibik in der Sonne liege. Warum eigentlich nicht?

Eigentlich wundere ich mich häufig darüber, dass es hier keine Shelter gibt, wie zum Beispiel in Amerika oder Schweden. Hier stehen so unglaublich viele verfallene Hütten oder Schuppen herum, das Potenzial ist ganz klar vorhanden.

Die hat aber eher kleines Potenzial…

Heute morgen linste ich gerade durch die groben Latten einer solcher Hütten, da raschelte es vor mir im Wald… und dann spazierte ein Fuchs über den Trail und verschwand leichtfüßig den Berg hoch. Kurze Zeit später – ich linste schon wieder – raschelte es erneut und ein Reh lief über den Weg und bergauf ins Gestrüpp. Und weil es bergab weiter raschelte, blieb ich stehen in Erwartung noch weiterer Tiere. Und dann kam was großes schwarzes elegant hinterher geschossen, ich konnte so schnell gar nicht schalten, was das sein könnte und welche Tiere es hier gibt… ein Hund! Natürlich. Er unterbrach seine Jagt, blieb auf dem Trail stehen, schaute mich an und überlegte sich wohl, welche Richtung die lohnenswertere sein könnte… dann drehte er ab und lief den Trail entlang.

Meistens sind es aber Vögel oder Echsen, wenn es raschelt. Einmal war es sogar eine kleine schwarze Schlange. Ich bin diesbezüglich leicht zu begeistern. Aber mein Glockentrauma baue ich nur langsam ab. Aber ich wollte ja noch mal gucken, ob hier auch Namen auf den Ohrmarken stehen…


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