Willst bei mir schlafen?


…fragt der Typ, der gerade auf den Parkplatz gesaust war und direkt auf mich zusteuerte durchs offene Beifahrerfenster. „Unbedingt!“ sage ich, nicht ganz ohne Ironie. „Das war jetzt aber einfach, magst einsteigen?“ wundert er sich. „Ja, ich bin leicht zu haben,“ sage ich leichthin, „bin aber auch nicht wählerisch!“ – „Oh, das war jetzt aber nicht nett!“ – Stimmt 😂 aber stimmt leider. Währenddessen bin ich schon eingestiegen.

Frank ist der Bruder von Nicole, bei der ich das Zimmer über Airbnb gebucht habe …obwohl sie gar keines mehr frei hatte. Irgendwie gibt die Plattform aufgrund von Softwarefehlern ständig Zimmer frei, teils für einen Euro! Allerdings wäre ich bei einem Euro misstrauisch gewesen…

Sie regte sich tierisch auf und telefonierte im ganzen Ort herum, um einen Ersatz für mich zu finden und rief zuletzt bei ihrem Bruder an, ob er noch sein Notbett frei hätte. Im ‚Fittnessraum‘, Klo am Gang, Dusche in der Sauna. Hatte er! Klang für mich paradiesisch. Günstig ist es auch, Frühstück inklusive.

Am Morgen hatte ich noch frohlockt. Freiheit, Schwarzbrot, Ladekabel! Eine relativ kurze Etappe lag vor mir, Wetter bombastisch, Trail zwar nicht überwältigend schön, aber schön genug, gut markiert und leicht zu laufen. Endlich kam ich mal wieder in so einen sorglosen Flow, wie ich ihn die letzten Tage vermisst hatte. Ein neues Ladekabel hatte ich mir am Tag zuvor bei redzac gekauft, an dem ich zufällig vorbei kam. Das aus dem Hotel war nämlich auch kaputt und die Akkuladung bereitete mir zunehmend Sorgen. Zack im Vorbeigehen erledigt! Funktioniert! Juhu!

Der Faaker See – deutlich erschlossener als der Forstsee

Jetzt sitze ich hier, 6 Kilometer weg vom Trail, bin extra früh aufgestanden und es regnet Katzen und Hunde. Die heutige 22. Etappe nach Kranjska Gora ist lang und schwer… Aber was soll‘ s (hat mein Opa immer gesagt). Frank hat meiner Hektik und der Frage nach einem Taxi direkt die Luft rausgelassen. Er fährt mich zum Trail, wenn alle gefrühstückt haben. „Ich habe Dich da weg geholt, dann bring ich Dich auch wieder hin.“ Geschenkte Zeit! Ich übe mich in Hingabe und genieße es, hier im Trockenen bei einem Kaffee zu sitzen, zu schreiben und Fiete zu beobachten, den jetzt schon riesigen aber noch jungen Rottweiler (?) Familie.

Frank und seine Familie haben 20 Jahre lang auf Sylt gelebt und sind immer in den Ferien zur Schwester in die Berge gefahren. Eigentlich wollten sie hier nur ein Ferienhaus kaufen und haben sich dann in diesen Hof verliebt, mal eben ihr Leben umgekrempelt, sind mit Sack und Pack hierhergezogen und haben die Bergbude eröffnet. Meeegaaa. Ich freu mich 😁 So kann’s gehen…

Und vielleicht regnet’s ja in einer Stunde auch nicht mehr so sehr…


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