Alle Wege führen ins Gestrüpp


…nein, nicht ins Gebüsch, jedenfalls nicht sooo. 

Ich konnte mich ja irgendwie nicht so richtig losreißen und habe dann leicht widerwillig trotzdem meine Wandertätigkeit wieder aufgenommen. Moderate Steigung auf Asphalt durch den Wald. Es hätte schlimmer sein können. Aber zum ersten Mal fragte ich mich, ob ich wirklich weiter gehen muss, ob ich nicht jetzt gerade etwas Sinnvolleres tun könnte, als über Berge zu laufen. Zum Beispiel aufräumen helfen und mit tollen Leuten Zeit verbringen.

Erstens fehlt mir eine Trail-Community und zweitens ist mir diese ganze Wildnis viel zu sehr touristisch erschlossen. Zelten ist annähernd unmöglich und an den Hotspots ist fast alles ausgebucht. Es fängt an, mich zu nerven. Die tägliche halbe Stunde Organisation fühlt sich vergeudet an. Außerdem stresst es mich enorm. Ich fühle mich massiv unfrei, wenn ich es mal so ausdrücken kann. 

Aber die Strecke zur Gerlitzen hoch entpuppte sich während des Laufens dann doch als ganz schön. Der Kopf wurde langsam wieder freier und die Luft roch mal wieder zu gut. Vor mir liefen die zwei Mädels von gestern und wir begegneten uns immer wieder und tauschten uns aus. Es kam wie es kommen musste, die beiden schnappten mir die letzte Schlafgelegenheit vor der Nase weg. Ich telefonierte ewig herum bis ich etwas fand…hinter der nächsten Etappe. Nochmal 17,5 Kilometer, aber da hatte ich nicht so genau drauf geachtet. Nicht so schlimm, dachte ich, ist ja nur bergab…

Die Weiden waren zur Abwechslung mal anders bestückt und öfter traf ich auf Pferde oder hörte Schafe. Es war bis auf wenige steile Passagen wirklich richtig schön. In meinem schlauen Buch stand dann bei der 19. Etappe mittendrin etwas wie „die nächsten 7 Kilometer müssen sie dann sehr genau auf dieunddie Markierung achten“ und ich warf zusätzlich die App wieder an. Alle Wege führten… ins Nirgendwo…

Tatsächlich verliefen drei irgendwie geartete Wege mehr oder weniger parallel, was jedoch aufgrund von Windschäden einfach mal scheißegal war. Eine Stunde krabbelte ich zwischen riesigen umgefallenen Bäumen hin und her, immer irgendwo grob in die vermeintlich richtige Richtung, und regte mich tierisch auf! Die Informationen fließen hier nicht annähernd so ungehemmt wie die Wassermassen. Die 18. Etappe war als gesperrt deklariert und war tatsächlich frei und bei der 19. war es genau umgekehrt. 

Aber zwischendurch genoss ich mein kleines Abenteuer immer wieder, wenn da bloß der Zeitdruck nicht gewesen wäre… Ich konnte ja nicht absehen, wie lange ich nun bis nach Ossiach brauchen würde. Als es wieder rund lief und die ersten Schilder wieder vor mir auftauchten, wurde es nochmal richtig schön. Traumhafter Waldboden, gut zu laufen, die pure Idylle… bis etwas recht unsanft an meinem rechten Schuh riss. Noch im Gehen versuchte ich es abzuschütteln, bekam es nicht los und klatschte lang hin. Das Handy flog voraus, ich hing am Schuh bergab am Trail.

Na klar, wäre ja sonst langweilig. Aber es war zum Glück weich. Trotzdem reichte es mir. Ich wollte erst gar nicht wieder aufstehen. Sollte das jetzt irgendein Zeichen sein oder einfach ein bisschen viel Pech auf einmal?Ich war irgendwie an einer Wurzel hängen geblieben, die sich entgegen der Fahrtrichtung in meinen schönen Schuh gebohrt hatte. Ja klar. Was sonst. Alles andere blieb unversehrt, aber ich fragte mich schon, was das alles sollte. Zweimal landete ich noch recht erwartbar auf dem Arsch, aber der Rest verlief unfallfrei und wurde noch richtig schön.

Es ging durchs Moor (Reiher!) und dann leider noch fast eine Stunde auf der Straße. Das Hotel rief mich bei 3% Akku an, ob ich noch käme oder die Bergrettung zu rufen sei… 😂 Ich habe vermutlich das letzte Zimmer im Umkreis von 20 Kilometern bekommen. Erste Amtshandlung: Duschen. Dann essen, dann schlafen 😴 

Heute morgen fragte ich dann noch vor dem ersten Kaffee (!) an der Rezeption nach einem übrig geblieben Ladekabel, dass ich vielleicht abkaufen könnte… Ich weiß ja, wie das manchmal so ist, mit Kramkisten und Dingen, die man vielleicht noch gebrauchen könnte 🤓 Meines hat mindestens zwei Wackelkontakte und morgens mit leerem Handy auf den Trail, bei DER Beschilderung … neee.

UND es gab einen losen Kabelsalat im Schrank der Rezeption und es war ein passendes Kabel dabei! Mein Glück! Dann gab’s Kaffee und Frühstück und meine Welt war in Ordnung. 

Eine Bank 🙂

Heute war der Trail dann endlich mal wieder außergewöhnlich schön. Gleich am Anfang eine Schlucht und danach ein Teich, viel Wald, und ein See, in den ich erstmal reinhüpfen musste, nachdem ich in dem mir (vom ausgebuchten Gröblacher) empfohlenen Gasthof „Domann“ ein Zimmer gesichert hatte. Ich hab allerdings ne Weile gebraucht zu kapieren, dass es Thomann heißt und es dann auch auf Maps gefunden 🤭 Oh man, ich fange gerade erst an, mich an den Dialekt zu gewöhnen und die übernächste Etappe führt schon nach Slowenien!!!


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