Ich habe mich


…mit einer Webcam selber fotografiert 😁

Leider bin ich zu doof den Link zu verlinken… deswegen so:

Der geografische Mittelpunkt Kärntens war dann auch eines der Highlights des Wandertages. Gerade war so’n bisschen Flaute und ich hatte mich noch nicht festgelegt, was die Unterkunft angeht. Das beschäftigte mich dann unterwegs mehr als die schöne Landschaft. Ich hatte im Pilsachhof angerufen, wo man mir mitteilte, ich könne wohl kommen, aber den Garten und die Sauna gäbe es nicht mehr. Ein Zimmer mit Frühstück sei aber frei und zum Abendessen könnte ich auch gerne dazu kommen.

Ich wusste noch nicht.

Nach meinem Starfoto fing es an zu regnen. Ich konnte direkt mal mein Super Poncho-Tarp-Zelt-Dingens als Regenschutz testen und muss sagen, ich bin richtig angetan! Solange es nicht stürmt, ist das seit langem die beste „Regenjacke“ die ich hatte. Gut belüftet und alles verpackt. Und vor nassen Füßen habe ich seit Mallorca ja sowieso keine Angst mehr. ; )

Beim Einmarsch nach Arriach herrschte gespenstische Stille. Kein Vogel war zu hören, kein Auto und kein Mensch zu sehen. Ich dachte kurz an diese Katastrophenfilme, wo es am Ende nur eine*n Überlebende*n gibt und alles andere ausgestorben ist…

Der Gasthof in der Hauptkurve hatte natürlich nicht, wie im Buch angegeben, Montag und Donnerstag Ruhetag, sondern Montag und Dienstag. Blöd. Daneben gab es das Café Traudi. Ich dachte mir, die Chance muss ich nutzen (wer weiß, wann es wieder was gibt?!), bestellte Cappuccino und Kuchen und machte erstmal Pause.

Wo ich denn schlafen würde, fragte Traudi mich, nachdem die andere Dame gegangen war. Hier gegenüber? Nein, ich hätte überlegt, im Pilsachhof zu bleiben. „Den gibt’s nicht mehr! Den hat’s weggespült!“ Teilte sie mir überzeugt mit. „Aber das Telefon funktioniert noch. Ich habe da angerufen und Zimmer gibt es auch. Nur halt keinen Garten…“ antwortete ich. Traudi war irritiert, ich war irritiert. Das versprach interessant zu werden. Umso mehr zog es mich nun da hin. Ich mag solche Irritationen (manchmal). Gutes Zeichen und es klang sympatischer als der Gasthof in der Kurve.

Empfangen wurde ich von Hühnern und Katzen und kurz darauf auch von der Gastgeberin. Erstmal ein Radler auf der brandneuen Terrasse. Hier war vorletzte Woche noch ein 3-4 Meter tiefes Loch, erfuhr ich. Die Straße war weg, der Garten war verschwunden, der Stall unterspült, der Wellnessbereich unter Wasser… Familie und Handwerker sind seitdem ununterbrochen mit der Wiederherstellung des Grundstücks beschäftigt gewesen und es gibt noch immer viel zu tun. Aber seit dem 1.8. können wieder Gäste kommen. Glück für mich ☺️

Ich saß ein bisschen blöde auf der Terrasse und ‚durfte‘ nichts machen. Ich kann nur schwer still sitzen, wenn alle anderen arbeiten und offensichtlich viel zu tun ist… Naja, eigentlich war Feierabend und ich plauderte ein bisschen auf englisch mit einem der tschechischen Handwerker und nach und nach trudelten auch alle anderen auf der Terrasse ein. Besser ; )

…und sprangen wieder auf, weil doch noch was erledigt werden musste… und zu meiner Freude kamen auch noch zwei Alpe-Adria-Wanderinnen, die vier Tage auf dem Trail sein werden.

Nach der Jause sammelten sich wieder alle auf der Terrasse, nicht ganz ohne geschäftige Fluktuation, aber es war sehr gesellig und sehr gemütlich und die Sorte Gemeinschaft, von der ich hier gerne noch mehr gehabt hätte.

Dann hätte ich vielleicht auch mehr Gelegenheiten, an meinen kommunikativen Fähigkeiten zu feilen 😂 Ich habe nämlich (und das nicht zum ersten Mal) festgestellt, dass ich ein unnachahmliches Talent besitze, interessante Gespräche direkt im Keim zu ersticken.

Wir sitzen da also in illustrer Runde im Garten und plaudern. Von links: „Und du kommst also aus Hamburg?! Hamburg ist total schön.“ Da könnte man drauf aufbauen… Ich könnte sagen „Ja, finde ich auch. Warst du schon mal da? Was gefällt dir so an Hamburg?…“ oder „Komm mich doch mal besuchen.“ In jedem Fall hätte ich etwas über meinen Gesprächspartner erfahren. Statt dessen sage ich „Ja, aber eigentlich würde ich lieber im Grünen wohnen.“ Gespräch beendet. Nix erfahren. Von rechts: „Na, da bist du hier ja genau richtig, dann kannst du doch direkt hierbleiben.“ (Darüber habe ich auch schon nachgedacht…)

Die Gespräche plätschern weiter so vor sich hin, ich falle erstmal nicht weiter negativ auf, bis von rechts unvermittelt mit dem Finger grob in meine Richtung gezeigt wird: „Ihr zwei, Ihr könntet Euch doch eigentlich zusammen tun“ (weil wir beide so Kommukationsraketen sind, oder was meint der?) „Das täte doch gut passen!“ Aha! Ja, Sherlock Holmes, interessante Schlussfolgerung, messerscharf kombiniert. Daraus hätte sich jetzt ein zumindest unterhaltsames Gespräch entwickeln können… Leider bin meistens ich diejenige, die mit Feuerlöschern wirft, wenn jemand ‚Streichholz‘ sagt.

Ich also bierernst: „Nee, ich glaube, ich bin generell nicht so kompatibel. Ich bin viel zu gerne alleine.“ (Häääää???) Das sage ich immer. Ausnahmslos. Automatisch. Ich kann nicht anders. Ich kann auch nicht einfach die Klappe halten. Ich könnte ja auch einfach mal abwarten, wie sich das ohne mein Zutun entwickeln würde. Mache ich aber nie. Gespräch beendet.

Genausogut hätte ich sagen können: „Super Idee, Sherlock Holmes, da wäre ich von selbst nie drauf gekommen,“ und nach links gewandt „also, ich habe für den Rest meines Lebens noch keine konkreten Pläne gemacht, wie sieht’s bei Dir aus?“ – habe ich aber nicht. Mache ich nie, obwohl so ganz sicher die wesentlich interessanteren Gespräche entstehen könnten… Definitiv muss ich meine Denkreflexe besser unter Kontrolle bringen ; ) …langsamer denken, ab und zu mal Klappe halten und ‚ja aber‘ und ‚eigentlich‘ aus meinem Wortschatz streichen, zum Beispiel…

Nichts desto trotz wurde ich nicht rausgeworfen. Erst morgens. Nach dem Frühstück. Und nach noch einem Gespräch mit der Gastgeberin. Und mit ein bisschen Schieben. Durch die Vordertür raus, um es einfacher zu machen.

Es gibt so Orte und Menschen, bei denen mir sofort das Herz aufgeht, bei denen ich gleich Teil von etwas werde. Der Abschied war schon ganz schön traurig. Und dann kam mir auch noch der Trail dazwischen…

ein letzter Blick zurück

5 Antworten zu “Ich habe mich”

    • Hi JLo,
      Ich hänge zwischen der 20. und 21. Etappe fest, in Velden am Wörthersee. Weder Richtung Baumgartnerhöhe noch Richtung Warmbad gibt es Unterkünfte… es ist Kirchtag 🤔 und Hauptsaison.
      Ich mach heute Badetag im Forstsee. 👙

  1. Mannmannmann, ich hab ja EWIG gewartet, bis sich hier wieder was tut 😉
    Der Baum sieht echt gruselig aus! Dazu noch alles abdunkeln, einem 2-jährigen Kind eine Geige für die Hintergrundmusik geben und dich mit 3 Fremden dazusetzen, die dir ein Gespräch aufdrücken wollen und fertig ist der Horrorfilm :-p
    Gibt ne ganze Serie!

    • Das ist doch DIE sagenumwobene Kandelaberfichte von Arriach!
      Fakten: 8m Stammumfang, 35m hoch, 7 Wipfel 😁

      Das mit der Geige ist ne gute Idee. Nehm ich nächstes Mal mit. Ich suchte noch nach einem passenden Wanderinstrument… Schlagzeug würde mir sonst auch gefallen…

      Die Serienidee merk Dir mal für wenn wir mit CowWow fertig sind. Du bist doch noch mein Agent, ODER?

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