Murmeltiertag


klingt super entspannt, war aber nicht ganz sooo… Die Nacht im Erlacherhaus war erholsam, das Frühstück prima, aber außer mir, den beiden rüstigen Genusswanderern und einer Gruppe schätzte ich niemanden noch als Alpe-Adria-wandernd ein. Ich meinte noch zwei Zweiergruppen Radfahrer zu erkennen, die ich daher aber nicht so spannend fand.

Ich stiefelte also los. Bergauf. Bergauf. Bergauf. Lass Dich mal nicht vom Berg pusten, hatte die Wirtin mir noch mitgegeben. Naja, setzte sie noch hinzu, Du hast ja nen schweren Rucksack, der hält Dich unten! Ich dachte an die 5,5 Kilo aus meiner Exceltabelle, nickte, lächelte und meinte nur, zur Not beherrsche ich den Vierfüßlergang…

Der Anfang war entspannt…
…dann wurde es immer interessanter

Vom ersten Gipfel ging’s zum zweiten, es war richtig pustig! Jede kurzen Flaute nutzte ich, um die Ohren schnell wieder aufzutauen. Ansonsten war es eigentlich ein bisschen warm in den langen Klamotten.

Der zweite Gipfel – da hinten laufen die zwei anderen

Am zweiten Gipfel traf ich zwei der vermeintlichen Fahrradfahrer wieder. Ich habe Euch für Fahrradfahrer gehalten, eröffnete ich das Gespräch. Ja, Fahrrad fahren könnten sie auch… schnell waren wir beim Thema Unterkunft. Wir steigen hier ab, teilten sie mir mit, auf den Hütten sei alles voll. Also stiegen sie ab, wünschten mir viel Glück und verschwanden in Richtung Tal. Bisschen neidisch war ich schon, aber irgendwie wollte ich es auch wissen und marschierte weiter hoch…

Ein greller Pfiff schallte durchs Tal und plötzlich sah ich überall Murmeltiere in ihre Löcher flüchten. Doch nicht vor mir?!? Oh doch, sonst war ja niemand da. Murmeltiere! Voll süüüß! Ich schöpfte schon Hoffnung. Wenn hier niemand wandert, sind die Hütten auch nicht voll, dachte ich.

Murmeltierland

Beim nächsten Gipfel hatte ich dann eigentlich schon keine Lust mehr. Der Wind war richtig heftig und der Vierfüßlergang ganz angebracht. Aber es waren Leute oben, also war es möglich 🙂 …und super schön!

…der dritte Gipfel – kurze Pause im Steinkreis

Beim nächsten Gipfel entdeckte ich einen flacheren Übergang hinter der Kuppe und ersparte mir dieselbe Aussicht zum vierten Mal von einem anderen Berg zu genießen. Bisschen geschützter, aber bessere Laune.

Natürlich waren die Hütten voll. Und natürlich gab es kein Lager und keine Notmatratze. Die gibt es wohl nur in Alpenvereinshütten, aber die wiederum gibt es hier fast gar nicht… Da müssen Sie weitergehen und dann daundda mal fragen, hieß es jedes Mal.

Also noch ein Aufstieg. Unumgänglich, weil der Trail eine Scharte durchquert, die zwar schon die flachste Stelle zwischen zwei Bergen ist, aber eben trotzdem recht weit oben. Steil und geröllig, so wie es die Knie mögen. Ich wurde richtig stinkig. Ich regte mich so darüber auf, weil ich nicht alles vorbuchen wollte. Weil ich mich praktisch sinnloserweise im Alpenverein angemeldet hatte. Weil wandern auf dem AAT nicht so ist wie wandern auf dem AT. Ich konnte mich da richtig reinsteigern! Was für eine Scheiße!

Vor mir lief ein Murmeltier über den Berg, mein dummes Gesicht lächelte entzückt. Ich freute mich wie blöd.

Aber da war ja noch mein Ärger. Grummel, grummel. Meine App funktionierte nicht, weil kein Netz und kein GPS und von den Offlinekarten keine Spur… Grummel, grummel, nicht mal eine FUCKING-ABKÜRZUNG kann ich laufen! Grummel, grummel… mit den Trail ist es wie mit dem Leben… er wird vorwärts gelaufen und rückwärts verstanden. Das muss ich unbedingt in meinen Blog schreiben, dachte ich, auf der verzweifelten Suche nach den rot-weißen Markierungen. Vor mir konnte ich kaum welche ausmachen. Erst wenn ich mich umdrehte erschienen sie massenhaft in meinem Blickfeld. Sag mal, laufen die alle in die andere Richtung? Sag mal, wollt Ihr mich eigentlich alle verarschen???

Ich hatte mich da gerade so schön reingesteigert…

Vor mir lief ein Murmeltier über den Berg, mein dummes Gesicht lächelte entzückt. Ich freute mich wie blöd.

Ab da drüben beginnt der Abstieg. Ich fühlte mich sehr verstanden und musste sehr laut lachen!

Irgendwann ging es endlich wieder bergab. Nochmal genau so weit, aber immerhin bergab. Nach ewigem Geröll kam ich endlich am Falkertsee an. Ich war so reif, ich hätte alles für ein Zimmer bezahlt. Nach einigem Rumstehen entschied ich mich, trotz der am Vortag gehörten Preise (154,- pro Person im Doppelzimmer mit Frühstück für rüstige Genusswanderer) gleich mal ins erste Hotel zu stiefeln und zu fragen… Ich hatte auch keinen Bock auf Preisvergleiche und Rumtelefoniererei, obwohl jüngst der Empfang wieder vorhanden war.

Die Dame an der Rezeption hatte den Preis noch gar nicht zuende ausgesprochen, da grätschte ich mit einem ‚Perfekt!‘ dazwischen. 120,- für ein Einzelzimmer (die Familiensuite zur Einzelnutzung!) mit Frühstücksbuffet. Und die Sauna ist auch noch eine Stunde offen, falls Sie noch etwas Wellness möchten. Und der Pool schließt erst um 21 Uhr…!!! Essen ist in einer Stunde und dann bis 20 Uhr… Paradies! Die Frau konnte Gedanken lesen.

Blick von meinem Luxus-Balkon

Luxus pur, super Dusche, die Blockhaus-Sauna hatte ich für mich alleine, dann mit den Füßen in den Teich und dann nochmal unter die super Dusche. Ich war sowas von versöhnt mit meinem Schicksal.

PS.:

Erst kürzlich habe ich gelesen, dass die männlichen Murmeltiere auch Bären genannt werden, die weiblichen Murmeltiere als Katzen bezeichnet werden und (- jetzt kommt’s -) die Jungtiere als Affen! Ich bin so entzückt!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.