So viel passiert


…so nette Leute, so wenig Netz…die perfekte Kombination für mich die letzten Tage.

Ich sitze gerade nach einem reichlichen und sehr leckeren Hüttenfrühstück auf der Terrasse der Goldberghütte. Als die zwei anderen Wanderer, die hier übernachtet haben eben gingen, sagte sie: Ich habe mich hier wie adoptiert gefühlt!

Genauso erging es mir auch schon gestern direkt bei meiner Ankunft. Da die gestrige Etappe (Marterle – Stall, 11km, leicht, bergab – für Martin und Silli : D) so schnell vorbei war dachte ich mir in der mir ganz eigenen Art, och, morgen soll schwer sein? Ich habe ja noch sooo viel Zeit, der Tag ist noch jung, da kann ich doch noch die Hälfte von morgen schon heute machen. Dann ist morgen nur halb so schwer. Dachte ich.

Ich saß mit Anne und Scott und Lili und Simon, die ich am Abend vorher kennengelernt hatte, im Freibad in Stall und genoss die Abkühlung und die gute Gesellschaft und philosophierte so vor mich hin und rief schließlich auf der Hütte an. Ja, es gäbe noch ein Bett mit Abendessen und Frühstück, herauf bräuchte ich wohl so vier Stunden… Ich hatte kaum aufgelegt, da war ich mir schon nicht mehr so sicher, wie gut die Idee wirklich war.

Als die anderen vier gegen 15 Uhr in ihren Kräuter-Hotel-Shuttle steigen, stieg ich wieder auf den Berg…und stieg und hechelte und stieg und hechelte und harderte und stieg und hechelte. Ich hätte gedacht, dass es gegen Nachmittag wieder abkühlen würde… nee nicht so richtig. Hier warens immer noch 29 Grad, aber es hätte schlimmer sein können: in Hamburg warens 37!

Einige Teile des Trails erinnerten mich extrem an den Appalachian Trail. Durch die Winterschäden vom vorletzten Jahr krabbelt man hier streckenweise durch abartig geröllige, wilde und steile Hänge. Ich habe noch Monis Worte im Ohr, fall mir bloß nicht vom Berg! Seit gestern weiß ich, was sie meinte : D

Ich bin natürlich nicht vom Berg gefallen! Aber leider war ich (trotz oder wegen der Hitze) nicht geistesgegenwärtig genug, einfach nur die Straße zu nehmen… mein Buch, die App und die Beschilderung waren alle unterschiedlicher Meinung über den richtigen Weg und ich hatte Sorge, die Hütte zu verpassen und so bin ich halt den Schildern gefolgt… und habe überlebt!

Trotz der Kuh im Wasserfall, die genau dort stand, wo ich entlang musste und mich unverwandt anschaute…

Nachdem ich dreimal hin und her gelaufen war, und die Kuh ihren Platz um keinen Preis verlassen wollte, musste ich also irgendwie doch an ihr vorbei. Optimalerweise oberhalb, damit ich nicht doch noch vom Berg gefallen wäre… Tatsächlich war es am Ende gar kein Problem. Das Tier war völlig unbeeindruckt. Das Foto habe ich mich aber trotzdem erst getraut, als ich an ihr vorbei war.

Ich wurde sehr herzlich auf der Goldberghütte adoptiert und umgehend mit Holunder und einem üppigen Abendessen versorgt.

Puh! Wenns nicht so unschlau gewesen wäre, könnte ich jetzt ein bisschen stolz auf mich sein. Heute mache ich voraussichtlich langsamer. Ich laufe bis Innerfragant herunter (Spaziergang! Vermutlich der leichte Teil dieser Etappe…) und dann schau ich mal weiter. Ich hoffe, Anne und Scott nochmal wieder zu treffen und vielleicht bleib ich dann da und wasche ein paar Klamotten, die die letzten Tage nicht so viel Seife gesehen haben. Ich denke ja immer mal wieder über die Deo-statt-Seife Variante nach…


6 Antworten zu “So viel passiert”

  1. Ohhh, Schatzi, da warst Du wohl noch im Arbeitsmodus und schaffen um jeden Preis 🥇 Hauptsache Du lebst und fällst nicht vom 🏔 hast 💓 von den Menschen um Dich herum und grüßt die 🐄 Kühe alle von mir 🤭
    Denke an dich und finde auf diese Entfernung auch waschen überbewertet 😜😘

  2. Liebe Bettina! Wir haben gestern oft an dich gedacht und uns beim gemeinsam Abendessen mit Anne und Scott gefragt:“ ob sie wohl schon oben angekommen ist?…“ Um so mehr hat es mich heute gefreut von deinem bravorös gemeisterten Abenteuer zu lesen😀.
    Alles liebe Lili

    • Oh wie schön, von Euch zu lesen!

      Ich habe Anne und Scott hier im Hotel wieder getroffen. Durch Zufall, weil es dort, wo ich eigentlich hin wollte, heute kein Abendessen gab…
      Und Johann und Lothar sind auch hier. Ich verteile Trailnames 😀 Weil ich mir „Lothar“ nicht merken konnte, habe ich mir eine Eselsbrücke gebaut und ihn J.Lo getauft.

      Ich hoffe bei Euch ist alles glatt gelaufen!
      Liebe Grüße
      Bettina

  3. Liebe Betty, äääh Tina, äääh Bettina,
    deine Schreibe, deine Bilder sind großartig.
    Ich freue mich sehr darüber, dabei sein zu können.
    Hab einen schönen Tag_piet

    • Guten Morgen Frühaufsteher,

      wie schön dass Du vorbei schaust 😊
      Danke für das Kompliment. Ab morgen bin ich vielleicht wieder allein(er) unterwegs, das gibt’s eventuell sogar wieder etwas mehr zu lesen…

      Liebe Grüße nach Hamburg
      Bettina

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